Axel Petermann
Profiler · Ermittler · Autor
Nicht jeder Mord lässt sich erklären.
Aber jeder hinterlässt Spuren.
Hintergründe bleiben oft unzugänglich.
Biografische Erklärungen wirken geschlossen – und sind es selten.
Auch das, was Täter über sich selbst sagen, deckt sich nur begrenzt mit dem, was tatsächlich geschehen ist.
Entscheidend ist daher nicht die nachträgliche Deutung, sondern das, was sich im Tatbild nachvollziehen lässt:
Handlungen, Reihenfolgen, Risiken, Entscheidungen.
Gewalt- und Tötungsdelikte hinterlassen Fragen, die sich nicht mit Empörung oder Spekulation beantworten lassen.
Im Zentrum stehen genau diese Fragen –
nicht isoliert, sondern im Zusammenhang.
Einordnungen entstehen hier aus Tatbildern, aus Verhalten, aus Entscheidungsmustern – nicht aus moralischer Bewertung und nicht aus Dramatisierung.
Wer weiterliest, begegnet einer Denkweise, die Gewaltverbrechen nicht erzählt, sondern prüft.
Analyse bedeutet hier, Handlungen nicht nur zu beschreiben, sondern sie gedanklich nachzuvollziehen.
Dazu gehört es, Perspektiven zu wechseln: zu prüfen, wie sich eine Situation aus Sicht des Täters darstellte, welche Optionen bestanden und welche bewusst verworfen wurden.
Manche dieser Schritte wirken von außen ungewöhnlich. Doch sie dienen keinem Effekt.
Sie sind ein Mittel, um Entscheidungen sichtbar zu machen, die im Spurenbild angelegt sind.
Wer verstehen will, warum eine Tat genau so geschah, muss rekonstruieren, welche Logik sie aus Tätersicht plausibel erscheinen ließ.
Das bedeutet nicht Zustimmung. Es bedeutet Prüfung.
Nicht jede Überlegung ist sofort nachvollziehbar. Aber ohne diesen Perspektivwechsel bleiben Zusammenhänge verborgen.
Axel Petermann beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit schweren Gewaltverbrechen – nicht aus Faszination am Extremen, sondern aus dem Anspruch, Struktur in unübersichtliche Tatgeschehen zu bringen und dort Klarheit zu schaffen, wo vorschnelle Erklärungen häufig mehr verdecken als erklären.
Im Zentrum seiner Arbeit steht nicht die Figur des Täters, sondern das Verhalten im Kontext einer konkreten Tat. Tatorte werden nicht betrachtet, um sie zu beschreiben, sondern um sie zu lesen – als Abfolge von Handlungen, Entscheidungen und Risiken, die eine innere Logik erkennen lassen.
Diese Perspektive entstand aus praktischer Ermittlungsarbeit, aus der Analyse realer Fälle und aus der Erfahrung, dass Fehlannahmen selten aus zu wenig Wissen entstehen, sondern aus zu schnellen Deutungen, die sich nicht ausreichend am Befund orientieren.
Öffentlich sichtbar wird nur ein Teil dieser Arbeit. Der Maßstab bleibt jedoch unverändert.
Befund vor Deutung.
Profilerarbeit bedeutet nicht,
Vermutungen zu bestätigen.
Sondern sie konsequent gegen das Spurenbild zu prüfen.
Ausgangspunkt ist nicht die Geschichte.
Ausgangspunkt ist der Befund:
Was ist gesichert — und was ist nur plausibel?
Rekonstruiert werden Abläufe, Situationen und Entscheidungen.
Nicht zur moralischen Bewertung.
Sondern um die innere Logik zu erkennen,
die eine Tat möglich macht.
Gewalt- und Tötungsdelikte hinterlassen oft mehr als offene Fragen.
Sie hinterlassen Unklarheit – in Familien, in Ermittlungen, in Akten.
Und manchmal bleibt das Gefühl, dass etwas nicht zusammenpasst, obwohl Spuren vorhanden sind.
Im Mittelpunkt steht nicht die Geschichte eines Falles,
sondern seine Struktur.
Das, was sich aus dem Tatbild ableiten lässt:
Abläufe, Entscheidungen, Widersprüche.
Einordnung beginnt nicht bei Vermutungen.
Sie beginnt beim Befund.
Wer mit einem Fall konfrontiert ist – direkt oder indirekt –
sucht keine großen Worte.
Gesucht wird eine Perspektive,
die ruhig bleibt, wenn andere deuten,
und präzise wird, wenn Details entscheidend sind.
Nicht jede Tat lässt sich vollständig rekonstruieren.
Aber jede hinterlässt Entscheidungen, die sichtbar bleiben.
Dort setzt Analyse an.