Arbeit

Arbeitsweise. Fallanalyse. Einordnung.

Ausgangspunkt sind gesicherte Befunde.
Spuren werden als Entscheidungen gelesen –
Hypothesen entstehen nur aus dem Tatgeschehen.

Ansatz

Analyse beginnt beim Befund.

Der Ausgangspunkt ist nicht eine Theorie, sondern das, was belastbar ist: Tatorte, Spurenlagen, zeitliche Abläufe, Verletzungsbilder, Handlungsentscheidungen.

Im Zentrum steht nicht die Persönlichkeit des Täters, sondern das Verhalten. Nicht „Warum ist er so?“, sondern: Welche Entscheidungen wurden getroffen, welche Alternativen ausgeschlossen, und welche Logik macht dieses Spurenbild notwendig?

  • Welche Entscheidung ist im Befund sichtbar — und welche nicht?
  • Was wäre naheliegend gewesen, wurde aber vermieden?
  • Welche Hypothese trägt — und welche bricht am Widerspruch?
  • Welche Schlussfolgerung ist operativ nutzbar — und welche bleibt Spekulation?
Operative Fallanalyse – Arbeit am Tatkörper
Vorgehen

Hypothesen sind Arbeitshilfen
— keine Ergebnisse.

Fallanalyse arbeitet schrittweise.
Befunde werden von Annahmen getrennt.
Widersprüche dienen als Prüfpunkt — nicht als Störung.

1 · Befund

Gesicherte Fakten: Spurenlage, Tatort, Zeit, Verletzungsbild, Opfermerkmale. Keine Deutung im ersten Schritt.

2 · Entscheidung

Verhalten wird als Folge von Entscheidungen gelesen: Was wurde getan? Was vermieden? Was in Kauf genommen?

3 · Hypothese

Ableitungen nur dort, wo der Befund sie trägt. Wahrscheinlichkeiten — keine Gewissheiten. Alternativen bleiben offen.

4 · Prüfung

Jede Hypothese wird am Widerspruch getestet: Was müsste gelten, damit sie falsch ist? Gegenbefunde haben Vorrang.

5 · Operative Relevanz

Nur Aussagen, die Ermittlungsarbeit strukturieren, bleiben stehen: Suchräume, Prioritäten, Ausschlüsse, nächste Schritte.

6 · Revision

Neue Informationen verändern die Lage. Korrektur ist kein Bruch — sondern Teil der Methode.

Der Ablauf wirkt nach außen ruhig. In der Praxis schützt er vor vorschnellen Festlegungen, psychologischen Zuschreibungen und dem Druck, aus Unvollständigkeit eine „stimmige“ Geschichte zu machen.

Kontext

Taten entstehen nicht isoliert.

Jede Tat steht im Zusammenhang mit biografischen, situativen und sozialen Bedingungen.
Verhalten wird nicht losgelöst betrachtet, sondern eingebettet in seinen Rahmen.

Dazu gehören zeitliche Abläufe, Beziehungskonstellationen, Handlungsspielräume, Drucksituationen und Kontrollvorstellungen.

Kontext ersetzt keine Prüfung.
Er erweitert sie — indem sichtbar wird, welche Entscheidung in dieser Lage plausibel war und welche nicht.

Analyse ist kein Urteil.
Sie ist ein Instrument. Ihr Ziel ist nicht Erklärung —
sondern Strukturierung von Ermittlungsarbeit.